Die Vier Tore Stadt

Auf Historischer Spurensuche durch Neubrandenburg

Ein Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern ist Geschichte zum Anfassen. Die drittgrößte Stadt in unserem wunderschöne Bundesland beeindruckt ihre Besucher durch ihre unverwechselbare Architektur.

Ganz gleich aus welcher Richtung du dich der Neubrandenburger Innenstadt näherst, die mittelalterliche, bis zu 7 Meter hohe Stadtmauer sticht mit ihrem roten Backstein sofort ins Auge. Neubrandenburg ist das kulturelle sowie wirtschaftliche Zentrum der Mecklenburgischen Seenplatte, doch sobald du durch eines der imposanten Stadttore gegangen bist, fühlst du dich wie in eine andere Zeit versetzt. Es gibt insgesamt vier Haupttore, die der Stadt Neubrandenburg seinen Beinamen „Vier Tore Stadt“ verleihen.

Das jüngste von ihnen ist das Neue Tor. Es befindet sich im östlichen Teil der Stadtmauer neben dem Friedländer Tor. Es wurde vermutlich errichtet um dem im Mittelalter aufkommenden Verkehrsproblem Herr zu werden. Die Toranlage entstand in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und wird dem Spätmittelalter zugeordnet. Von der damaligen Toranlage ist heute nur noch das Haupttor erhalten, da das Vortor und das Wachhaus ebenso wie die Verbindungsmauern im Jahr 1852 wegen Baufälligkeiten abgerissen werden mussten.

Von dem jüngsten Tor der Stadt geht es zu dem ältesten und gleichzeitig am besten erhaltenen Tor, dem Friedländer Tor im nordöstlichen Teil der Stadtmauer. Dieser Abschnitt war früher besonders stark von Eindringlingen aus Richtung Pommern und Rügen bedroht. Weswegen der ursprüngliche Holz-Wall durch eine massive 7,5 m hohe Feldsteinmauer ersetzt wurde, die nach und nach die gesamte Stadt umschloss.

Das Friedländer Tor wurde schätzungsweise ab 1300 erbaut. An ihm kann man heute noch gut erkennen wie die mittelalterlichen Toranlagen aufgebaut sind. Es gibt ein stadtseitiges Haupttor und ein feldseitiges Vortor. Ein zusätzlicher Zingel vor dem Vortor sollte vor Kanonenangriffen schützen. Alle drei Elemente sind durch Mauern miteinander verbunden, wodurch das Friedländer Tor eine Gesamtlänge von 88 Metern erreicht. In den Mauer wurden im 18 Jahrhundert Fachwerkhäuschen eingebaut. Eines war der Sitz des fürstlichen Steuereinnehmers (Zollhaus) und das andere für den Tor- und Zingelwärter bestimmt. Da das Tor nach Friedland (Mecklenburg) führt bekam es den Namen Friedländer Tor.

Weiter geht es zu dem höchsten und repräsentativsten der vier Stadttore, dem Treptower Tor. Sein Haupttor ragt knapp 32 Meter empor und die prächtigen Verzierungen spiegeln den Wohlstand des mittelalterlichen Neubrandenburgs wider. Der Baubeginn wird auf Mitte des 14. Jahrhunderts datiert und durch seine imposante Höhe hatte man einen weitläufigen Blick auf das westliche Umland und konnte drohende Gefahren früh erkennen. Das Haupttor und das im 15. Jahrhundert hinzugefügte Vortor sind klassische Elemente der norddeutschen Backsteingotik. Beide Elemente sind durch Mauern links und rechts miteinander verbunden. Eine weitere Besonderheit des Treptower Tores ist, dass der Abstand zwischen dem Haupttor und dem Vortor mit 34 m x 10 m doch deutlich kleiner ist als bei den anderen Stadttoren.

Ein Fachwerkhaus für den Torwächter und den fürstlichen Steuereinnehmer kam im 18. Jahrhundert dazu und gleich daneben entstand 1856 das erste Telegrafenamt Neubrandenburgs im neogotischen Stil. Seit 1872 befindet sich in dem Haupttor das Regionalmuseum, in dem Sie die Ausstellung zur Ur- und Frühgeschichte der Stadt besuchen können.

Wer sich der Innenstadt aus südlicher Richtung nähert passiert mit hoher Wahrscheinlichkeit das Stargarder Tor. Das es sich hier im das zweitälteste Tor der Stadt handelt hat die dendrochronologische Analyse gezeigt. Bei dieser stellte man fest, dass das im Dachstuhl verbaute Holz bereits im Winter 1310/11 geschlagen wurde. Und auch hier findet sich die typische Bauweise mit dem Vortor und den Verbindungsmauer bis zum Haupttor wieder. Allerdings hat es hier nie einen Zingel gegeben. Dafür befand sich von jeher eine Kupfer- und eine Walkmühle vor dem Tor. Letztere wurde später zu einer Lohmühle umfunktioniert und ist heute ein beliebtes Restaurant.

Wenn Sie an der Stadtmauer entlang spazieren fallen Ihnen bestimmt die urigen Wiekhäuser auf, die immer wieder die einheitliche Backsteinfassade unterbrechen. Ursprünglich gab es in Neubrandenburg mal 57 von diesen Häuschen, die auf 3 bis 4 Meter breiten Vorsprüngen, sogenannten Wieken in die Stadtmauer eingefasst wurden. Die Wiekhäuser dienten früher als Verteidigungspositionen, da es in der Stadt keinen klassischen Wehrgang gibt. Solche Häuser waren damals keine Seltenheit und man findet sie auch in anderen Städten im stargarder Raum und in Brandenburg. Die Wiekhäuser in Neubrandenburg sind allerdings die am besten erhaltenen beziehungsweise rekonstruierten unter ihnen.


Du planst deinen Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern?

Dann könnte dich das auch interessieren:

Fichreier am Tolensesee in Meck-Pomm

Neubrandenburg Stadt voller Kontraste

Wer seinen Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern verbringt sollte es sich nicht nehmen lassen der Stadt Neubrandenburg einen Besuch abzustatten…

Kirchturm der Konzertkirche ehemals Marienkirche in Neubrandenburg

Neubrandenburg – Die Konzertkirche

Spektakulärer Klang in atemberaubender Kulisse! Innerhalb Neubrandenburgs historischer Stadtmauer findest du die aufwendig restaurierte Marienkirche – heute unter dem Namen Konzertkirche bekannt…

EMPFEHLUNG

Stadtrundgang in Neubrandenburg mit dem Stadtherren

Bei uns kannst du direkt den Stadtrundgang in Neubrandenburg mit dem traditionellen Stadtherren und weitere spannende Aktivitäten in und um Neubrandenburg buchen.